Von der Redaktion TA Art
Veröffentlicht am 25. August 2026
Am 25. August 1967 begann in der Bundesrepublik Deutschland das Farbfernsehen. Willy Brandt gab auf der Funkausstellung in West-Berlin das symbolische Startsignal. Für die meisten Haushalte änderte sich an diesem Morgen jedoch noch wenig: Farbgeräte waren teuer, farbige Sendungen selten und Schwarz-Weiß-Fernseher weiterhin selbstverständlich.
Der entscheidende Wandel vollzog sich erst in den folgenden Jahren. Fernsehen wurde farbiger, aber auch stärker mit Konsum, Wohnkultur und gemeinsamer Freizeit verbunden. Die neue Technik veränderte nicht allein das Bild, sondern ebenso die Erwartungen an Unterhaltung, Werbung und gesellschaftliche Ereignisse.
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Der Einschnitt in Kürze
- Der Start erfolgte 1967 auf der Berliner Funkausstellung.
- Westdeutschland setzte auf das PAL-Verfahren.
- Hohe Gerätepreise bremsten zunächst die Verbreitung.
- Schwarz-Weiß-Empfang und Farbfernsehen bestanden jahrelang nebeneinander.
- Die DDR begann 1969 mit einem anderen Farbsystem.
Willy Brandts Knopfdruck war vor allem ein öffentliches Signal
Bei der Eröffnung der 25. Großen Deutschen Funk-Ausstellung in West-Berlin sollte Vizekanzler Willy Brandt den Übergang vom Schwarz-Weiß- zum Farbbild sichtbar machen. Sein Knopfdruck wurde zum einprägsamen Bild des westdeutschen Fernsehstarts.
Berühmt blieb auch die kleine Schaltpanne: Das Sendebild wechselte bereits einen Augenblick vor der demonstrativen Betätigung des roten Knopfes zur Farbe. Der technische Ablauf nahm der politischen Inszenierung damit etwas von ihrer Genauigkeit, änderte aber nichts an der Bedeutung des Termins.
Die Funkausstellung bot für diesen Auftakt die passende Bühne. Sie brachte Rundfunkanstalten, Gerätehersteller, Politik und Publikum zusammen. Fernsehen erschien dort nicht mehr nur als Übertragungsmedium, sondern als Zukunftsmarkt für Elektronik, Unterhaltung und private Haushalte.
Der Knopfdruck bedeutete allerdings nicht, dass sämtliche Sendungen sofort bunt ausgestrahlt wurden. Er eröffnete vielmehr eine längere Übergangsphase, in der Sender ihre Produktion umstellen und Familien entscheiden mussten, wann sich die kostspielige Anschaffung eines neuen Geräts lohnte.
PAL machte Farbe mit alten Empfangsgewohnheiten vereinbar
Die Bundesrepublik führte das Farbfernsehen mit dem PAL-System ein. Die Abkürzung steht für Phase Alternating Line. Vereinfacht gesagt wechselt das Verfahren bei der Übertragung bestimmter Farbinformationen von Bildzeile zu Bildzeile die Phase. Dadurch lassen sich typische Farbtonfehler ausgleichen.
Für den Alltag war eine andere Eigenschaft mindestens ebenso wichtig: Die ausgestrahlten Programme blieben auf Schwarz-Weiß-Geräten empfangbar. Wer keinen neuen Fernseher kaufen konnte oder wollte, verlor deshalb nicht plötzlich den Zugang zum Programm. Statt eines harten Technikwechsels entstand ein jahrelanges Nebeneinander.
Auch die Sender mussten investieren. Kameras, Regietechnik, Studios, Übertragungswagen und Arbeitsabläufe waren auf Farbproduktion umzustellen. Kulissen, Kostüme und Beleuchtung mussten nun nicht nur in Graustufen funktionieren. Farbe wurde damit zu einer neuen gestalterischen Aufgabe und nicht bloß zu einem zusätzlichen Sendesignal.
Warum Farbgeräte zunächst kein gewöhnlicher Haushaltskauf waren
Die ersten Farbfernseher kosteten deutlich mehr als etablierte Schwarz-Weiß-Modelle. Für viele Familien war ein solches Gerät eine größere Anschaffung, die geplant, aufgeschoben oder über Raten finanziert werden musste. Ein funktionierender alter Fernseher wurde nicht allein deshalb ersetzt, weil nun einzelne Sendungen in Farbe verfügbar waren.
Hinzu kam das begrenzte Angebot. In der Anfangszeit wurden nur ausgewählte Produktionen farbig ausgestrahlt. Wer einen neuen Empfänger kaufte, bezahlte also für eine technische Möglichkeit, die noch nicht während des gesamten Programmtages sichtbar wurde.
Hersteller und Handel präsentierten Farbe dennoch als Zeichen eines modernen Haushalts. Das Fernsehgerät rückte stärker in die Nähe anderer langlebiger Konsumgüter: Seine Größe, die Gestaltung des Gehäuses und sein Platz im Wohnzimmer gehörten zur Kaufentscheidung. Technischer Fortschritt wurde so zugleich zu einer Frage des Einkommens und der Wohnungseinrichtung.

Mit wachsenden Stückzahlen, einem breiteren Programm und sinkenden relativen Kosten verbreiteten sich Farbgeräte allmählich. Der Übergang verlief sozial ungleich. Manche Haushalte sahen früh farbig, andere noch viele Jahre in Schwarz-Weiß.
Farbe veränderte Werbung, Unterhaltung und das gemeinsame Sehen
Der Nutzen des Farbfernsehens zeigte sich besonders dort, wo visuelle Unterschiede Teil der Information waren. Sportbekleidung, Spielfelder, Karten, Bühnenbilder oder Kleidung ließen sich leichter unterscheiden. Unterhaltungssendungen konnten Dekorationen und Kostüme bewusster einsetzen, während Übertragungen öffentlicher Ereignisse unmittelbarer wirkten.
Auch Werbung erhielt neue Ausdrucksmöglichkeiten. Verpackungsfarben, Produktgestaltung und Markenauftritte konnten nun im Wohnzimmer ähnlich erscheinen wie im Geschäft. Farbe verstärkte damit die Verbindung zwischen Fernsehprogramm und Konsumwelt, ohne dass das Publikum sämtliche Werbebotschaften deshalb automatisch überzeugender fand.
Das Wohnzimmer blieb ein gemeinsamer Medienraum
Der Fernseher war Ende der 1960er-Jahre meist kein persönlicher Bildschirm. Häufig versammelten sich mehrere Familienmitglieder vor einem einzigen Gerät. Programmzeiten strukturierten den Abend, und die geringe Zahl der Sender sorgte dafür, dass viele Menschen dieselben Sendungen kannten.
Farbe individualisierte das Fernsehen daher zunächst nicht. Sie wertete vielmehr ein bereits gemeinschaftlich genutztes Medium auf. Diskussionen über Anschaffung, Programmwahl und Sitzplatz gehörten zum häuslichen Umgang mit der neuen Technik. Gleichzeitig gewann der Bildschirm als optischer Mittelpunkt des Wohnzimmers weiter an Bedeutung.
Der Wandel war weder augenblicklich noch vollständig. Schwarz-Weiß-Geräte blieben in Hauptwohnungen, Kinderzimmern oder als Zweitgeräte in Gebrauch. Erst die Kombination aus größerem Programmangebot, erschwinglicheren Empfängern und dem Wunsch nach zeitgemäßer Ausstattung machte Farbe zum neuen Normalfall.
Die DDR folgte 1969 mit SECAM statt PAL
In der DDR begann das Farbfernsehen am 3. Oktober 1969. Der spätere Start war nicht der einzige Unterschied: Während die Bundesrepublik PAL verwendete, entschied sich die DDR für SECAM. Damit verlief eine technische Systemgrenze entlang der politischen Teilung Deutschlands.
Beide Seiten verband jedoch eine ähnliche Alltagserfahrung. Auch in der DDR waren Farbgeräte anfangs kostspielig und nicht sofort flächendeckend verbreitet. Schwarz-Weiß-Empfänger blieben daher weiterhin wichtig. Der offizielle Beginn bezeichnete in Ost wie West den Start einer Entwicklung, nicht deren Abschluss.
Die unterschiedlichen Systeme zeigen, dass Fernsehtechnik immer auch von Industriepolitik, internationalen Partnerschaften und staatlichen Entscheidungen geprägt war. Für Zuschauerinnen und Zuschauer zählte dagegen vor allem, welches Gerät verfügbar und bezahlbar war und welche Sendungen tatsächlich in Farbe ankamen.
Vom Messesignal zum neuen Fernsehstandard
Die wichtigsten Stationen des Übergangs lassen sich knapp zusammenfassen:
- 25. August 1967: Symbolischer Farbfernsehstart der Bundesrepublik auf der Funkausstellung in West-Berlin.
- Ab 1967: Farbige und schwarz-weiße Produktionen laufen parallel; alte Empfänger bleiben nutzbar.
- 3. Oktober 1969: Die DDR startet ihr Farbfernsehen mit dem SECAM-System.
- Folgende Jahre: Mehr Farbproduktionen und eine breitere Geräteauswahl beschleunigen den Wechsel.
Die historische Bedeutung des 25. August liegt deshalb weniger in einem einzelnen Schaltmoment als in der langen Veränderung danach. Farbe verband technische Standardisierung mit neuen Konsumwünschen und einer veränderten Bildsprache. Zugleich zeigt das langsame Verschwinden der Schwarz-Weiß-Geräte, wie selten ein medialer Umbruch tatsächlich über Nacht geschieht.
Quellenkontext: Die Angaben zum westdeutschen Starttermin, zur Funkausstellung in West-Berlin und zu Willy Brandts symbolischer Schaltung stützen sich auf den Überblick zum Farbfernsehen bei Wikipedia.
Quelle: Wikipedia
Kontext und Aktionen Über diesen Artikel
Quellenprüfung Historischer Quellenhinweis
Der Beitrag verbindet den belegten Farbfernsehstart von 1967 mit dem technischen und alltagsgeschichtlichen Kontext der folgenden Jahre.
- Start am 25. August 1967 geprüft
- Veranstaltungsort West-Berlin geprüft
- Symbolische Schaltung durch Willy Brandt geprüft
- PAL und späterer DDR-Start historisch eingeordnet
- Quelle
- Wikipedia: Farbfernsehen
- Umfang
- Deutschland
- Aktualisiert
- 2026-08-25 15:23
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